Lehrer oder Lehrerin werden – wenn das auch dein Traumberuf ist, bist du hier genau richtig. Das Lehramtsstudium in Deutschland ist vielfältig, praxisnah und stark bundeslandspezifisch geprägt. Die Entscheidung für den Lehrer*innenberuf bedeutet für dich nicht nur die Wahl von Fächern und Schularten, sondern auch die Berücksichtigung von Zugangsvoraussetzungen, Praxiserfahrung und beruflichen Perspektiven. Klingt viel? Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, welche Infos jetzt für dich wichtig sind.
Lehrer*in werden in Deutschland
Laut der aktuellen KMK-Statistik „Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot 2024–2035“ werden in diesem Zeitraum rund 367.000 Absolvent*innen des Vorbereitungsdienstes fürs Lehramt in Deutschland erwartet. Demgegenüber steht ein Gesamteinstellungsbedarf von etwa 417.000 Lehrkräften.
Du siehst also: Mit der Entscheidung, Lehrer oder Lehrerin zu sein, sicherst du dir zumindest für die nächste Dekade einen ziemlich zukunftssicheren Job.
„In der Summe der Berechnungen der einzelnen Länder stehen einem Einstellungsbedarf von 417.000 Lehrkräften in den Jahren 2024 bis 2035 lediglich 367.000 Neuabsolvierende des Vorbereitungsdienstes gegenüber, folglich ergibt sich rein rechnerisch eine Differenz in Höhe von 49.000 Personen."
Der Lehrkräftemangel sollte natürlich nicht dein einziges Argument sein, wenn es darum geht, Lehrer oder Lehrerin zu werden. Auch die Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Möglichkeit, Wissen zu vermitteln, sowie die Chance, junge Menschen in ihrer persönlichen und akademischen Entwicklung zu begleiten, sind zentrale Motivatoren. Gestaltungsspielräume im Unterricht, langfristige Sicherheit durch Verbeamtung oder tarifliche Anstellung – all diese Aspekte machen das Lehramt zu einer attraktiven Karriereoption, über den aktuellen Lehrkräftemangel hinaus.
Lehramtsstudium kompakt
Das Lehramtsstudium beginnt in der Regel mit der Wahl eines Hochschulstandorts und der gewünschten Schulform. Grundsätzlich benötigst du für die meisten Lehrämter die allgemeine Hochschulreife (Abitur). Einige Bundesländer erlauben auch die fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife für bestimmte Lehrämter, vor allem an Berufsschulen. Beim Studium wählst du meist zwei Fächer, die du später unterrichten möchtest, ergänzt durch Bildungswissenschaften und Fachdidaktik. Die Regelstudienzeit liegt zwischen vier und sechs Jahren, abhängig vom Bachelor-/Master-System oder dem Ersten Staatsexamen.
Ob du nun dein Studium mit dem Master of Education oder dem Ersten Staatsexamen absolvierst, entscheidest du nicht unbedingt selbst - dies hängt in der Regel von der Hochschule bzw. dem Bundesland ab, für das du dich entscheidest und welches Studienmodell dieses verfolgt. Wer den Master of Education oder das Erste Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen hat, kann sich in der Regel in allen Bundesländern in Deutschland für das Referendariat – also den Vorbereitungsdienst – bewerben.
Unterschiede zwischen den Bundesländern
Bildung in Deutschland ist Ländersache, daher unterscheiden sich Lehramtsstudiengänge und Referendariate je Bundesland voneinander. Vielleicht ist dir selbst schon einmal aufgefallen, dass zum Teil einige Bundesländer verschiedene Schulformen bzw. dann auch Bezeichnungen für diese Schulformen haben. Je nach Bundesland können dementsprechend auch verschiedene Schulformen zum Abitur führen.
Lehramt: Unterschiede zwischen den Bundesländern und Schulformen der Sekundarstufe I
Wenn du dich – insbesondere für ein Studium der Sekundarstufe I – entschieden hast, solltest du auf dem Schirm haben, dass die Regelungen, Schulformen und Kombinationsmöglichkeiten je nach Bundesland stark variieren. Das bedeutet: Die möglichen Fächerkombinationen und sogar die Art der Schulen, an denen du später unterrichtest, hängen vom jeweiligen Bundesland ab.
In Deutschland existieren aktuell vier Hauptvarianten der Sekundarstufe I, die sich besonders für HRSGe-Lehrkräfte unterscheiden. Je nach Bundesland wird das jeweilige Schulsystem in verschiedene Schulformen gegliedert. Vielleicht kennst du dies noch aus deiner eigenen Schulzeit, als du nach der Grundschule eine Empfehlung für eine oder mehrere Schulformen erhalten hast. Dabei kann es je nach Bundesland sogar von zwei bis zu fünf verschiedenen Schulformen geben (z. B. in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen).
Das muss dich aber im ersten Schritt nicht verunsichern: Häufig legst du bereits mit der Wahl deiner Fächer sowie auch deiner Hochschule die jeweilige Schulform fest. Wenn du beispielsweise an der Ruhr-Uni Bochum in NRW deine Lehrer*innenkarriere starten möchtest, wirst du ein Lehramtsstudium für Gymnasium und Gesamtschule studieren und dich dementsprechend aus den lehramtsgeeigneten Fächern entscheiden.
Tabelle 1: Struktur des Sekundarschulsystems in den Bundesländern (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung 2025)
*Die 2. Schulform hat in diesen Ländern einen eigenen Zugang zum Abitur.
** Hauptschulen werden in Bayern zu "Mittelschulen".
Diese Vielfalt bedeutet: Ähnliche Fächerkombinationen können in einem Bundesland anders umgesetzt werden – und damit auch die späteren Unterrichtsfelder. Durch die fehlende Vergleichbarkeit solltest du dich im besten Falle vor Studienbeginn dafür entscheiden, für welche Schulform du deine Fächerkombination auswählst.
Voraussetzungen für das Lehramtsstudium
Wie sieht es nun mit deinen persönlichen und formalen Voraussetzungen fürs Lehramtsstudium aus? Ob du diese erfüllst, kannst du in der Regel auf den Webseiten deiner Wunsch-Hochschulen einsehen und dich dementsprechend vorbereiten. Wir schauen uns im Folgenden an, welche Bereiche du im Blick behalten solltest.
Persönliche Voraussetzungen
Neben den formalen Kriterien werden für dich bestimmte Soft Skills, die im späteren Berufsalltag entscheidend sind, besonders nützlich sein:
Belastbarkeit ➡️ mit Stress, Unterrichtsvorbereitung und auch mit größeren Klassen umgehen können.
Kommunikationsfähigkeit & Erklärfreude ➡️ komplexe Themen einfach und spannend vermitteln.
Empathie & Geduld ➡️ auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Schüler*innen eingehen.
Durchsetzungsvermögen ➡️ auch in schwierigen Unterrichtssituationen souverän bleiben.
Organisationstalent ➡️ Unterricht, Korrekturen, Elterngespräche und Konferenzen unter einen Hut bringen.
Einige Bundesländer oder Hochschulen bieten dir hierzu Selbsttests oder Beratungsangebote an, um herauszufinden, ob der Lehrer*innenberuf zu dir passt, wie z. B. Baden-Württemberg (CCT) oder Bayern (SeLF). Bei YouTube findest du außerdem viele Erfahrungsberichte von aktuellen Studierenden, die von ihrem Lehramtsstudium und den Gegebenheiten der jeweiligen Hochschule berichten.
Einblicke ins Lehramt an der Humboldt-Uni (Quelle: Humboldt-Universität zu Berlin, 2020)
Formale Voraussetzungen
Die wichtigsten Zulassungskriterien hängen von deiner Wunsch-Hochschule und deinem Fach ab. In der Regel gibt es die folgenden Faktoren zu berücksichtigen:
Allgemeine Hochschulreife (Abitur) ➡️ für fast alle Lehrämter erforderlich.
Fachhochschulreife (Fachabi) ➡️ Bei bestimmten Schularten möglich (in bestimmten Ländern wie NRW oder Bayern ist dies z. B. für die Primarstufe/Sek. I der Fall, oft mit Fachabi + Praktikum).
Eignungsprüfungen ➡️ in manchen Fächern Pflicht, z. B. Kunst (Mappe), Musik (Vorspiel), Sport (Sporttest), Fremdsprachen (Sprachtests).
Sonderfälle ➡️ Manche Hochschulen verlangen ein phoniatrisches Gutachten (Stimmgesundheit, z. B. an der Uni Leipzig) oder den Nachweis eines Online-Selbsttests vor der Bewerbung (z. B. CCT, SeLF, ).
Informiere dich rechtzeitig über solche spezifischen Voraussetzungen und Bewerbungsfristen, da Eignungsprüfungen oft schon Monate vor dem Studienstart verlangt werden. Insbesondere bei Fächern wie Kunst, Musik oder Sport, bei denen zusätzlich praktische Eignungstests erforderlich sein können, solltest du dich im Vorfeld wegen einer möglichen Anmeldung zum Eignungstest informieren:
- Kunst: Hier ist meist eine Mappe mit eigenen Arbeiten einzureichen. Manche Hochschulen verlangen zusätzlich eine praktische Prüfung oder ein Auswahlgespräch, bei dem du entweder deine eigenen Werke erklärst und/oder zu deinem fachlichen Wissensstand und Motivation abgefragt wirst.
- Musik: Du absolvierst in der Regel eine musikalisch-praktische Aufnahmeprüfung, die zum Beispiel dein Instrument, Gesang, Gehörbildung und Musiktheorie umfasst.
- Sport: Für Sportlehramt-Studiengänge ist fast immer ein Sporteignungstest erforderlich. Dieser überprüft Kondition, Koordination und Technik in verschiedenen Disziplinen – von Leichtathletik bis Turnen. Vereinzelt verlangen Hochschulen keinen Eignungstest, sondern bestimmte Notenpunkte im Abitur, ärztliche Bescheinigungen oder anderweitige Kenntnisse (z. B. Erste Hilfe, bestimmtes Schwimm- oder anderweitiges Sportabzeichen). Hochschulen, die Alternativen zum Sporteignungstest voraussetzen, sind die folgenden: Berlin, Bielefeld, Braunschweig,
Göttingen, Hamburg, Marburg, Oldenburg, Osnabrück und Saarbrücken (Stand: November 2025).
Falls du an Unterrichtsfächern wie Englisch oder Französisch Interesse hegst, solltest du dich zusätzlich bei deinen Wunsch-Unis schlau machen: Manche Hochschulen verlangen für Philologien (z. B. Anglistik oder Romanistik) oder Theologie bestimmte Sprachzertifikate und Nachweise (z. B. Latinum, Graecum oder ein bestimmtes Niveau in der Zielsprache). Dies kann sich jedoch von Hochschule zu Hochschule unterscheiden. Andere Hochschulen bieten ihren Studierenden auch an, diese Nachweise neben dem Studium nachzuholen.
Beratungsbox
Wenn du nicht den klassischen Weg über das reguläre Lehramtsstudium gehst, sondern nach einem ersten Studium über den Quereinstieg ins Lehramt möchtest, können nochmal andere Auflagen gelten. Das können z. B. ein spezieller Master (z. B. der Q-Master), Zusatzqualifikationen oder pädagogische Ergänzungskurse sein. Mehr Infos dazu findest du hier.
Aufbau & Dauer des Lehramtsstudiums
Ob du nun dein Studium mit einem polyvalenten Bachelor startest oder auf das Erste Staatsexamen hinarbeitest, entscheidest du nicht unbedingt selbst - dies hängt in der Regel von der Hochschule ab, für die du dich entscheidest und welches Studienmodell diese verfolgt. Wer den Master of Education oder das Erste Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen hat, kann sich in der Regel in allen Bundesländern in Deutschland für das Referendariat – also den Vorbereitungsdienst – bewerben. Dabei ist das Lehramtsstudium kein einheitlicher Studiengang, sondern kann je nach Bundesland, Hochschule und Studiengang (also dem Fach) unterschiedlich organisiert werden. Grundsätzlich kannst du erst einmal zwischen zwei Studienmodellen unterscheiden:
Tabelle 1: Gegenüberstellung des BA/MA-System und Erstes Staatsexamen in der Regelstudienzeit
Wie so häufig gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. An manchen Hochschulen und Lehramtstypen kann die Semesteraufteilung im BA-/MA-System und beim Staatsexamen von dieser Darstellung abweichen, was die Gesamtzahl an 10 Semestern Regelstudienzeit verändert. Bei Fächerkombinationen mit Musik oder Kunst kann es ebenfalls üblich sein, dass sich dein Studium z. B. um zwei Semester verlängern kann.
Praktika und Referendariat
Ob nun im Bachelor-Master-System oder im Rahmen eines Staatsexamensstudiengangs: Dein Studium auf dem Weg zum Lehrberuf findet nicht nur im Hörsaal oder Seminarraum deiner Hochschule statt. Wie du dir vorstellen kannst, gehören verschiedene Praktika sowie das verpflichtende Praxissemester in der Regel fest zur Lehrer*innenausbildung. Häufig startest du bereits vor oder während der ersten Semester mit einem Eignungs- oder Orientierungspraktikum, das dir erste Einblicke in den Schulalltag gibt. Anschließend folgen – abhängig von Hochschule und Bundesland – weitere schulpraktische Studien oder das umfangreiche Praxissemester, in dem du bereits eigenständig Unterricht erprobst. Diese frühen Praxiserfahrungen sind nicht nur wertvolle Lerngelegenheiten, sondern können nachweislich den sogenannten „Praxisschock“ nach dem Übergang ins Referendariat reduzieren.
Referendariat
Je nach Bundesland und Lehramtstyp kann sich die Dauer deines Referendariats verändern – in der Regel liegt sie zwischen 12 und 24 Monaten. Am Ende steht die Zweite Staatsprüfung, die den formalen Abschluss deiner Lehrkräfteausbildung bildet. Damit schließt sich der Kreis: Die praktischen Anteile im Studium bereiten dich gezielt darauf vor, im Referendariat selbstbewusst und professionell in den Unterricht einzusteigen und deinen Weg in den Lehrer*innenberuf erfolgreich zu meistern.
Tabelle 2: Lehramt in den Bundesländern (Stand: November 2025)
Gehalt und Verbeamtung – Was dich als angehende Lehrkraft erwarten kann
Ein wesentlicher Vorteil des Lehrerberufs liegt in der Möglichkeit einer Beamtenlaufbahn, die dir ein gesichertes Einkommen und klare Karrierelaufbahn bieten kann. Nach dem Lehramtsstudium beginnst du zunächst im Referendariat, das bereits vergütet wird, und steigst später als voll ausgebildete Lehrkraft in festgelegte Besoldungsgruppen ein. Die genaue Höhe des Gehalts hängt von Faktoren wie Schulform, Bundesland, Berufserfahrung und Beamtenstatus ab. Verhandeln wirst du als Lehrkraft an regulären Schulen eher nicht – was du verdienst, ist gesetzlich festgelegt, was dir eine transparente und planbare finanzielle Perspektive ermöglicht.
„Das Gehalt von Referendar*innen liegt je nach Schulart und Bundesland bei ca. 1.450 - 1.650 Euro brutto. Das Einstiegsgehalt als Lehrer*in liegt zwischen 3.600 und 5.100 Euro."
Ob zusätzlich eine Verbeamtung bei dir möglich ist, hängt von bestimmten Voraussetzungen ab, die sich je nach Bundesland unterscheiden.
Voraussetzungen für die Verbeamtung
Um als Lehrkraft verbeamtet zu werden, wirst du bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Viele davon sind bundesweit einheitlich, einige variieren. Die wichtigsten Voraussetzungen können die folgenden sein:
- Staatsbürgerschaft im Sinne von §116 GG (meist deutsche Staatsangehörigkeit oder EU-Staatsangehörigkeit)
- Gesundheitliche Eignung, nachgewiesen durch eine amtsärztliche Untersuchung
- Altersgrenze, häufig zwischen 40 und 45 Jahren – je nach Bundesland
- Erforderlicher Studienabschluss (Master of Education oder Erstes Staatsexamen und Zweites Staatsexamen)
- Polizeiliches Führungszeugnis ohne relevante Vorstrafen
- Verfassungstreue und Eintreten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung
- Charakterliche Eignung, z. B. keine Mitgliedschaft in extremistischen Organisationen
Für internationale Studierende besonders wichtig: Auch mit ausländischer Staatsangehörigkeit kann eine Verbeamtung teilweise möglich sein – allerdings ist dies je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Viele Länder verbeamten EU-Bürger*innen, einige auch Drittstaatenangehörige (z. B. bei Lehrkräftemangel).
Weiterführende Quellen & Informationen
Agentur für Arbeit: Blickpunkt Arbeitsmarkt: Akademikerinnen und Akademiker, Kapitel 2.8 (August 2025)
Bundesministerium für Bildung und Forschung: Berufsbild Lehrerin | Berufsbild Lehrer (zuletzt aufgerufen am: 25.11.2025)
Bundeszentrale für politische Bildung: Das Sekundarschulsystem auf dem Weg in die Zweigliedrigkeit. Historische Linien und aktuelle Verwirrungen (zuletzt aufgerufen am: 25.11.2025)
Kultusministerkonferenz (KMK): Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland 2024 – 2035 – Zusammengefasste Modellrechnungen der Länder (Februar 2025)
Statistisches Bundesamt (Destatis): Das Lehramtsstudium im Spiegel der Hochschulstatistik (16. April 2025)


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